Don’t stress: Was ist „Stress“ eigentlich und wie geht man damit um?

Puh – die letzten Wochen (wenn nicht sogar Monate) waren sehr anstrengend. Das habe ich schon auf Snapchat (HannahFreyPGL) und im letzten Blogbeitrag erzählt. Und deshalb dachte ich – eigentlich gibt es doch gar keinen besseren Zeitpunkt als jetzt, um mal wieder über die Themen Entspannung und Stressbewältigung zu schreiben.

 HannahFrey© Franzi Schädel

Stress – Was ist das eigentlich?

Wir haben Arbeits-, Prüfungs-, Familien- und Freizeitstress. Kaum ein Bereich unseres Lebens ist noch stressfrei. Es gilt vielmehr als Statussymbol, gestresst zu sein. Wer gestresst ist, ist gefragt und erfolgreich – so denken zumindest viele.

Biologisch gesehen ist Stress eine sinnvolle Reaktion unseres Körpers, das unseren Vorfahren oft das Leben rettete. Unter Stress wird der gesamte Organismus aktiviert. Innerhalb kürzester Zeit ist der Mensch kampf- oder fluchtbereit. Wenn man bedenkt, dass die Menschheit nach dem gegenwärtigen Forschungsstand seit etwa zwei Millionen Jahren existiert, die „zivilisierte Welt“ aber erst seit etwa 2.000 Jahren, dann lässt sich einfach nachvollziehen, dass unser vegetatives Nervensystem noch immer „auf die Urzeit programmiert“ ist. Ursprünglich war Stress ein Reaktionsmuster auf Kampf oder Flucht im Falle eines Angriffs auf Leib und Leben. Traf ein Steinzeitmensch beispielsweise auf ein Mammut, musste er schnell reagieren können – er geriet in Stress. Die komplexen Körperreaktionen, die in solchen Situationen in Gang gesetzt werden, befähigten ihn, zwei Dinge zu tun: entweder schnell vor dem Mammut oder einer anderen Gefahr wegzurennen (Flucht) oder mit dem Tier zu kämpfen (Kampf). Damit die Menschen in solchen Situationen besonders leistungsstark reagieren konnten, stellte sich der menschliche Körper auf diese Situation ein.

Die Stressreaktion – Wenn plötzlich ein Mammut vor dir steht

Das was passierte damals, wenn ein Steinzeitmensch ein Knacken im Gebüsch hörte und ein Mammut auf sich zukommen sah?

Alarmphase

Die körperlichen Funktionen, die für die Ausführung einer derartigen körperlichen Bewältigungsreaktion notwendig sind, wurden angeregt (Atmung, Herz-Kreislauf, Energiebereitstellung), während die eher regenerativen und reproduktiven Körperfunktionen (Verdauung, Energiespeicherung, Fortpflanzung, Wachstum), die für die kurzfristige Auseinandersetzung mit einer akuten Gefahr weniger wichtig sind, zurückgefahren wurden.

Handlungsphase

Angriff oder Flucht und Verbrauch der bereitgestellten Energien: das Mammut wurde vertrieben, erlegt oder der Steinzeitmensch konnte dem Mammut entkommen.

Erholungsphase

Der Steinzeitmensch ist erschöpft, ruht sich aus und nutzt die Zeit für seine Regeneration.

Heute sind wir einer solchen Stresssituation nicht mehr ausgesetzt, dafür bestimmen andere Stressquellen unser Leben. Arbeitsstress, Reizüberflutung, Zeit- und Leistungsdruck und vieles mehr wird von unserem Körper als Stresssituation bewertet. Und dabei läuft das gleiche physiologische Reaktionsprogramm in unserem Körper ab, wie schon vor zwei Millionen Jahren. Stressreaktionen sind zwar auch heute noch nützlich, da wir dadurch in gefährlichen oder schwierigen Situationen handlungsfähig bleiben. Hält Stress allerdings über einen längeren Zeitraum an, hat das schwerwiegende gesundheitliche Folgen. Entscheidend ist nämlich, dass der wichtigste Punkt der Stressreaktion heute bei uns häufig zu kurz kommt – die Erholungsphase.

Stress ist nicht immer negativ…

Übrigens: Stress an sich, das wisst ihr vielleicht, ist überhaupt nichts Schlechtes. Es gibt nicht nur negativen Stress (Disstress), sondern auch positiven Stress (Eustress). Das typische Beispiel für positiven Stress sind Hochzeitsvorbereitungen. Man freut sich auf seinen großen Tag, die Vorbereitungen nehmen viel Zeit in Anspruch und kosten Kraft, aber natürlich ist die Freude auf den Tag riesig!

… aber oft!

Positiver Stress kann aber in negativen Stress umschlagen. Beispielsweise wenn das Brautkleid nicht rechtzeitig fertig wird. Und noch schlimmer: Stress kann auch gefährlich werden. Nämlich dann, wenn er Überhand nimmt. Wenn es neben den „Stress-Phasen“ keine Erholung mehr gibt. Idealerweise herrscht in unserem Alltag ein Gleichgewicht zwischen Stress und Erholung. Wenn jedoch der Stress überwiegt, ist das Gleichgewicht gestört. Zu viel Stress kann krank machen, unsere Leistungsfähigkeit mindern und das Wohlbefinden beeinträchtigen. Die Weltgesundheitsorganisation hat Stress sogar als die „größte Gesundheitsgefahr des 21. Jahrhunderts“ bezeichnet.

Die eigene Bewertung der Situation

Ob wir gestresst reagieren oder nicht, hängt oft davon ab, wie wir eine Situation bewerten. Ist sie eine Bedrohung? Kann mir ein Schaden entstehen? Oder sehe ich die Situation als Herausforderung, die ich aller Voraussicht nach meistern kann? Unsere subjektive Bewertung und die individuelle Einschätzung der Situation sind entscheidend dafür, ob wir Stress empfinden oder nicht. Ich bin mit den Jahren viel gelassener geworden und lasse mich in vielen Situationen einfach nicht mehr stressen, schon gar nicht von außen. Wichtig war für mich, mir bewusst zu machen, wann in gestresst bin und weshalb eigentlich. Und dann habe ich daran gearbeitet, mich von anderen Menschen nicht mehr stressen zu lassen – und mir auch selber so wenig Stress wie möglich zu machen. Ganz eliminieren können wir Stress in der Regel nicht, aber das muss ja auch gar nicht sein, ein gewisses Maß an Stress ist vollkommen ok.

Ruhe-Phasen bewusst einplanen

Neben der Frage, wie man selbst Situationen bewertet, ist es wichtig, Ruhe-Phasen ganz bewusst einzuplanen. Ich wusste beispielsweise schon vor einigen Monaten, dass ich eine sehr stressige Phase haben werde. Deshalb habe ich ans Ende dieser Phase einen langen Urlaub gesetzt. Und auch in der stressigen Phase selbst nehme ich mir bewusste Auszeiten. Diese Pausen müssen ja gar nicht einen ganzen Tag oder mehrere Tage dauern – ein heißes Bad, eine Yogastunde oder eine Runde Sport, 10 Minuten Meditation oder bewusstes Achtsamkeitstraining bringen schon sehr viel! Ich habe mich für Qualitätszeit mit meiner Familie, einem Ausflug in die Lüneburger Heide, einem schönen Bad und einen Tag im Spa entschieden, um die Batterien wieder aufzuladen. Jeder entspannt anders – wichtig ist einfach nur, dass Ruhe-Phasen bewusst eingeplant werden! :-)

 

Batterien aufladen… 🔋🌿💜

Ein von Hannah Frey (@projekt_gesund_leben) gepostetes Foto am

Weitere Tipps zur Stressbewältigung:

In diesem Sinne: Don’t stress! ;-)

3 Kommentare
  1. Andrea
    Andrea says:

    Liebe Hannah,
    vielen Dank für diesen guten Beitrag. Zu dem Teil „Eigene Bewertung der Situation“ möchte ich gerne noch etwas ergänzen, was mir in solchen Situationen immer hilft: Ich frage mich, wie wichtig/belastend wird diese Sache noch sein – in einer Woche – in einem Jahr – in 10 Jahren. Sehr oft relativiert sich das Problem dann schon und ich fühle mich automatisch weniger gestresst.
    Liebe Grüße
    Andrea

    Antworten
  2. Michael Taube
    Michael Taube says:

    Liebe Hannah,
    danke für diese bereichernden Beitrag. Ich finde auch das Stress zu einem großen Thema in unserer modernen Gesellschaft geworden ist. Alles muss schnell gehen, effizient laufen und darf bloß keine Zeit kosten. Vor allem denke ich dabei an die sozialen Netzwerke in Verbindung mit Smartphones die ständige Bereitschaft erfordern. Auch wenn ich selbst die sozialen Netzwerke nutze, so entscheide ich für mich wann ich über etwas neues benachrichtigt werde und entgehe so dem ständigen Aktualitätsticker.

    Was mir zwischendurch hilft mich zu entspannen, wenn ich viel am Computer arbeite, ist das Hände auf meine Augen auflegen, in die Dunkelheit schauen und durchatmen. Das bringt mich wieder zurück zu mir und gibt meinen Augen eine wohltuende Pause.

    Vielen Dank für nochmal für den Artikel. Ich hoffe du konntest dich in der Zwischenzeit entspannen.

    Herzlich,
    Michael

    Antworten
  3. Karsten
    Karsten says:

    Hi,

    ich finde Stress sehr oft als positive Motivation, Dinge zu erledigen, die ich sonst liegen lasse.
    Die Gedanken kreise ja doch immer um diese Dinge und ich fühle mich dann im Stress, bis alles erledigt ist.
    Ich finde es auch gut, dass hier nicht gleich auf Burnout verwiesen wird.
    Stress ist ein ganz normales Gefühl, dass man sich eben stellen muss.

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