Superfoods: Eine kritische Betrachtung der Goji-Beere

In letzter Zeit lese ich immer häufiger von der „Wunderbeere Asiens“, der Goji-Beere. Diese „Wunderbeere“ soll uns jünger machen, das Immunsystem stärken, die Sehkraft verbessern, die Haut positiv beeinflussen, die Fruchtbarkeit und die Libido stärken, sie soll unseren Stress von innen bekämpfen und die Fettverbrennung ankurbeln. Wow. So viele positive Eigenschaften auf einmal. All diese Versprechen fand ich, in der Fülle, so unwahrscheinlich, dass ich dem „Geheimnis“ der Goji-Beere auf den Grund gehen wollte.

Gojibeeren


Goji-Beeren wachsen am Gemeinen Bocksdorn, einem Strauch, der bis zu vier Meter hoch wächst. Der Gemeine Bocksdorn ist vor allem in Asien zu finden, aber auch in Europa und Nordafrika wächst der Strauch. Die Früchte werden von August bis Oktober geerntet und dann getrocknet oder roh verzehrt. In der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) wird die Goji-Beere schon lange als Heilmittel gegen Bluthochdruck, Diabetes und sogar zur Vorbeugung und Behandlung von Krebs eingesetzt.

Da sich die vielen positiven Eigenschaften, die der Goji-Beere* zugesprochen werden, für mich eher nach gutem Marketing der Nahrungsmittelergänzungsindustrie anhörte, habe ich mich nach zuverlässigen Studien umgeschaut, die die gesundheitliche Wirkung der Goji-Beere belegen.

So stieß ich bei meiner Recherche zunächst auf einen Artikel aus dem Jahr 2010, in dem der Focus unter dem Titel „Goji-Beere – Entzauberung der Wunderbeere“ schreibt, dass ein Apfel die gleiche Wirkung wie die Goji-Beere habe. So sagt Emilio Martínez de Victoria, Ernährungswissenschaftler an der Universität von Granada, dass Goji-Beeren denjenigen, die sich sonst ungesund ernähren, keinen gesundheitlichen Nutzen bringe. Wissenschaftliche Belege, die belegen, dass die Goji-Beere eine „Wunderbeere“ ist, gebe es bislang nicht. Vielmehr wurden laut Martínez de Victoria die Studien, die bisher existieren, fast ausschließlich im Reagenzglas und an Tieren in China durchgeführt. Schaden könne die Beere zwar nicht, aber, so der Wissenschaftler, sie sei nur eine überteuerte Modeerscheinung mit Placeboeffekt.

Weiterhin habe ich mir mein Buch „Die 50 besten Superfoods – Gesundheit kann man essen“ von Brigitte Hamann hinzugezogen. Dass höchstwahrscheinlich nicht negativ über Superfoods berichtet wird, sagt schon der Buchtitel. Frau Hamann hat aber ihre Aussagen teilweise mit Studien belegt, was ich grundsätzlich natürlich gut finde. Über die Objektivität und damit die Aussagekraft dieser Studien kann man allerdings streiten. Es handelt sich dabei leider nicht um Primärliteratur, sondern lediglich um eine kurze Zusammenfassung anderer Studien, die von einer GmbH aus der Schweiz veröffentlicht wurde, über die leider nichts herauszufinden ist. Ich kürze das Ganze ab: ich konnte, wie der Focus es auch beschrieben hat, keine Studie finden, die die Wirksamkeit der Goji-Beere wissenschaftlich belegt hat.

Das ist meiner Meinung nach grundsätzlich überhaupt nicht schlimm, wie der zitierte Ernährungswissenschaftler auch gesagt hat: Schaden wird die Goji-Beere sicher nicht, selbst wenn es nur der Placeboeffekt ist, der eintritt, ist doch alles super. Ich möchte lediglich zum Denken anregen, denn nicht jede „Wunderbeere“ ist auch tatsächlich eine, oftmals steckt einfach nur gekonntes Marketing hinter solch einer Aussage. Ich werde die Goji-Beere* jedenfalls weiter essen, aber nicht, weil ich mir davon die tollsten gesundheitlichen Vorteile verspreche, sondern weil sie mir schmeckt.

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