Erfahrungsbericht zu „Projekt: Zuckerfrei“ – Interview mit Carina

Nachdem ich schon LindaBenjamin und Rebekka interviewt habe, berichtet uns heute Carina von ihren Erfahrungen mit ihrem „Projekt: Zuckerfrei“ und ich bin mir sicher, dass ihr von Carinas Erfahrungen viel mitnehmen könnt!

Carina ist 28 Jahre alt und ernährt sich seit etwa 3 Jahren zuckerreduziert, seit 3 Monaten sogar zuckerfrei. Auslöser war bei ihr eine Darmerkrankung in 2012, wegen der sie operiert werden musste. Zu diesem Zeitpunkt war Carina 24 Jahre alt und hatte mehrere Adhäsionen im Darm – aufgrund vieler kleiner Entzündungen „verklebte“ ihr Darm. Aus dem Krankenhaus wurde sie dann zwar mit einer Diagnose entlassen, wusste aber nicht, warum sie sich mit Mitte 20 mit solch einer Erkrankung herumschlagen musste. Denn davon abgesehen war Carina kerngesund, bewegte sich viel und hatte keinerlei Beschwerden. Man sagte ihr, sowas könne schonmal vorkommen, auch bei jungen Leuten. Erst durch einen Facharzt, der bei ihr einen Zusammenhang zwischen den Darmbeschwerden und ihrer Ernährung feststellte, hatte Carina einen Punkt, an dem sie ansetzen konnte. Ihr wurde der Verzicht auf kurzkettige Kohlenhydrate, raffinierten Industriezucker und industriell verarbeitete Lebensmittel geraten. Kein Problem, da Carina zuhause fast ausschließlich frisch kochte – wäre da nicht ihre Arbeit, die sie vor eine Herausforderung stellte. Carina ist Flugbegleiterin in Vollzeit und verbringt manchmal bis zu 60% des Monats über den Wolken und in Hotels und ist fast ausschließlich im Ausland unterwegs – manchmal 5 Tage am Stück. Ab und an ist sie auch in ärmeren Ländern mit schlechterer Infrastruktur, in denen man nicht mal eben wie gewohnt einkaufen gehen kann. Zudem gibt es Länder, in denen man keinerlei frische Lebensmittel einführen darf und in denen es aber auch keine Supermärkte gibt, die dem westlichen Standard entsprechen  (versucht mal in Äquatorial-Guinea Joghurt zu kaufen).

Und so nahm Carina das einfach als Status Quo hin und hat sich Zuhause nach „Vorschrift“ ernährt und bei der Arbeit, das gegessen, was sie im Flugzeug oder im jeweiligen Land bekam. Für sie war das damals überhaupt nicht inkonsequent, die „paar Mal“ im Monat würde sie als Ausnahme gelten lassen – schließlich hielt sie es für unmöglich, sich auf Tour auch zuckerfrei zu ernähren.

Die zuckerreduzierte Ernährung hatte (trotz der „Ausnahmen“) auch bereits den Effekt, dass ihr Darm aus Sicht des Arztes gesund war. Sie fühlte sich aber stets aufgebläht und hatte in den servicefreien Zeiten an Bord, in der die Besatzung auch Zeit zum Essen hat, stetig starke Bauchschmerzen. Nach jeder Flieger-Pasta, die für Carina doch nur eine Ausnahme war, griff sie gegen die Krämpfe zu Buscopan. Und wenn dann das Dessert aus der Business Class noch übrig war, griff sie auch dazu. Gab’s ja zuhause schließlich gar nicht mehr. Bis 2014 nahm sie das so in Kauf, doch dann wurde sie durch die sozialen Netzwerke wie Facebook und Instagram auf die vielen Möglichkeiten aufmerksam: Darauf, wie man mit Quinoa und Buchweizen Getreide ersetzen kann und lernte neue Lebensmittel kennen, mit denen man natürlich süßen kann. Datteln konnte sie frisch auf den Märkten im Orient kaufen und in den USA in ihrem Lieblingssupermarkt (Whole Foods) geschälte Hanfsamen, Kokosmehl und andere Superfoods kaufen. In Südafrika kaufte Carina gemahlene Flohsamenschalen. Viele Jahre hat sie solche Lebensmittel „importiert“, weil es sie bei ihr im heimischen Supermarkt noch nicht gab. Inzwischen hat Carina das Quinoa-kochen an Bord perfektioniert (in den Bordküchen gibt es nur Backöfen, aber keinen Herd – sie kocht ihre Quinoa deshalb mit Wasser im Aluschälchen). Carina kocht außerdem viel vor und wenn sie 5 Tage durch Europa tourt und jede Nacht in einer anderen Stadt übernachtet, ist ihr Koffer ein wahres Superfood-Mekka, um sie über die Runden zu bringen. Mittlerweile reist auch ein kleiner Smoothiemaker mit ihr, damit sie auch in Angola nicht auf Gesundes verzichten muss.

Carina dachte, als Flugbegleiterin wäre es gar nicht möglich, vollkommen „clean“ zu leben.  In der Zwischenzeit hat sie aber festgestellt, dass es eine Sache des Organisierens und vor allem des Wollens ist. Die Business-Class-Tiramisu lässt sie inzwischen kalt und Carina ist stolz darauf, dass ihr Wille über den Heißhunger gesiegt hat! Und das zu Recht, du kannst wirklich stolz auf dich sein! Auf Instagram findet ihr Carina unter @copacarina und im Folgenden habe ich ihr ebenfalls meine Fragen rund um das „Projekt: Zuckerfrei“ gestellt:

Liebe Carina, wie definierst du dein persönliches „Projekt: Zuckerfrei“?

Das „Projekt: Zuckerfrei“ ist für mich der Schlüssel zu besserem Wohlbefinden und Gesundheit. Mein Grundsatz ist hierbei, dass man nur einmal lebt: Es wäre falsch, sich alles verbieten zu wollen und man sollte auch genießen dürfen ohne Reue. Aber gerade weil man eben nur einmal lebt, sollte man seinem eigenen Körper auch Gutes tun wollen.  Seit ich mich zuckerfrei ernähre, strotze ich nur so vor Energie.  

Wie hast du dich vorher ernährt und was war für dich der Auslöser, deine Ernährung umzustellen und (weitestgehend) zuckerfrei zu leben?

Ich habe zwar schon immer gerne frisch gekocht und mich ausgewogen ernährt, allerdings änderte sich mein Essverhalten, als ich vor 7 Jahren meinen Job wechselte und Flugbegleiterin wurde.  Zuhause ernährte ich mich weiterhin wie gehabt, wenn ich aber beruflich unterwegs war, sah ich jede Mahlzeit als Ausnahme – angefangen beim typischen American Breakfast bis hin zum klassischen Burger mit Pommes. Für mich wurden Arbeitstage zu ‚Cheat Days’. Manche kennen das aus dem Urlaub: Man hat das Gefühl sich etwas gönnen zu wollen und richtig schlemmen zu dürfen. Das wäre nicht weiter schlimm gewesen, wenn diese ‚Cheats’ nicht irgendwann die Hälfte meines Monats ausgemacht hätten.

Die Reißleine musste ich 2012 ziehen, als ich notoperiert wurde: Mein Darm war an so vielen Stellen entzündet und verklebt, dass ich kurz vor einem Darmverschluss stand. Mehrere Lebensmittelunverträglichkeiten begünstigten Entzündungsreaktionen in meinem Verdauungstrakt. Mein Arzt empfahl mir damals als weitere Vorgehensweise einen vollkommenen Verzicht auf Zucker, Gluten und industriell gefertigte Lebensmittel.  Ich habe das leider lange nicht konsequent umsetzen wollen, habe zu jeder Mahlzeit, die mir hätte problematisch werden können, direkt krampflösende Tabletten genommen. Erst als die Symptome 4 Jahre später wieder anfingen, fasste ich den Beschluss zuckerfrei leben zu wollen – meiner Gesundheit zu Liebe.

Was war oder ist für dich die größte Herausforderung auf dem Weg in die zuckerfreie Ernährung?

Die Herausforderung war tatsächlich nicht der Wille, sondern die damit verbundene Organisation und der Aufwand. Klassisches „convenience food“ ist einfach viel bequemer zu kaufen und zu verzehren, gerade unterwegs und wenn es mal eben schnell gehen muss, greift man lieber zu fertigem Essen. Auch an Bord eines Flugzeugs ist es natürlich wesentlich bequemer auf das gecaterte Flugzeugessen zurück zu greifen. Es bedarf aber einzig und allein guter Planung und viele geeignete Gerichte lassen sich einfach vorbereiten und gut transportieren. Ich wurde in der Vergangenheit schon mal schräg von Kollegen beäugt, wenn ich dann auf dem Weg nach Johannesburg meine Avocados auspackte und dazu meinen vorgegarten Quinoa verspeiste. Mittlerweile bin ich ein richtig erfahrener Selbstversorger in Reiseflughöhe.

Welche Veränderungen hast du durch den Zuckerverzicht an dir selbst festgestellt?

Ich verzichte seit 3 Monaten vollständig auf Zucker und merke wie vital und fit ich wieder bin. Ich schlafe nachts viel ruhiger, leide nicht unter Jetlag und brauche auch keinen Kaffee mehr, um gut in den Tag starten zu können. Ich fühle mich ausgeruht und leicht, aber was viel wichtiger ist: Seit meinem Verzicht, habe ich nicht einmal diese typischen Verdauungsschmerzen mehr, die mich so oft auf Reisen begleitet haben.

Butter bei die Fische: Machst du ab und an Ausnahmen?

Ausnahmen dürfen sein: Meine Mutter macht den besten Apfelkuchen der Welt, den gibt es zu besonderen Anlässen, darauf würde ich nie verzichten –  und wenn mir meine weltbeste Nachbarin ein köstliches Stück selbstgemachten Käsekuchen vorbeibringt, genieße ich das auch ohne schlechtes Gewissen.  Mittlerweile bin ich über den Punkt hinweg, in alte Essverhaltensmuster zu fallen, es gibt einfach so viele leckere Alternativen.

Wie gehst du mit Heißhungerattacken um – oder hast du gar keine mehr?

Bei mir hilft es meistens ein Glas Wasser mit Zitrone zu trinken. Sollte ich aber wirklich mal Gelüste haben, hilft mir ein Löffel selbstgemachtes Cashewmus :-) köstlich!

Was sind deine drei Tipps, wie jeder die Zuckerfrei-Challenge schaffen kann?

  1. Es geht nicht darum zu hungern! Stöbert in den sozialen Netzwerken, es gibt so viele tolle zuckerfreie Rezepte, die einen satt und glücklich machen. Auf Zucker zu verzichten bedeutet nicht, dass man nur noch Nüsse und Körner essen muss. Fast alle meine Lieblingsrezepte kann ich mittlerweile „clean“ kochen, im Internet gibt es viele Ideen und Inspirationen, die einem helfen.
  2. Seht es als Möglichkeit, dem eigenen Körper einen Reset zu ermöglichen. Ihr macht es für euch und es ist keine radikale Diät, bei der die Pfunde purzeln sollen. Freut euch auf einen verbesserten Geschmackssinn und alle positiven Veränderungen, die das Projekt noch so mit sich bringen. Euer Körper gibt es euch zurück.
  3. Sucht euch Gleichgesinnte und motiviert euch gegenseitig. Der Austausch hilft ungemein!

Was ist dein zuckerfreies Lieblingsrezept?

Ich liebe den Quinoa-Flammkuchen aus dem Buch „Zuckerfrei“! Weitaus besser, als das Original!

Liebe Carina, vielen Dank für die Einblicke in dein persönliches „Projekt: Zuckerfrei“! Ich bin mir sicher, dass dein Weg und deine Erfahrungen viele Leserinnen und Leser inspirieren und motivieren werden! Ihr findet Carina auf Instagram unter @copacarina! :-)

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