Ayurvedische Ernährung – Essen im Gleichgewicht der drei Doshas

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Seit meinem Aufenthalt im Ayurveda Parkschlösschen hat mich das Ayurveda-Fieber ergriffen. Ich wollte unbedingt mehr über die ayurvedische Ernährung lernen und habe mich in den letzten Wochen viel damit beschäftigt. So ist es nun an der Zeit, auch hier darüber zu berichten und euch die Grundpfeiler der ayurvedischen Ernährungslehre (auch „Ahara“ genannt) näherzubringen.

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Die Fotos stammen von meinem Aufenthalt im Ayurveda Parkschlösschen.

Individualität steht an erster Stelle

In meinem Beitrag über meinen Aufenthalt im Parkschlösschen habe ich schon erwähnt, dass das ganze Programm sehr individuell war und auch die Mahlzeiten auf jeden Gast abgestimmt waren. Das zeigt schon, dass die ayurvedische Ernährung allgemein sehr individuell ist, denn jeder Mensch ist anders und hat andere Bedürfnisse.

Laut Ayurveda entstehen Krankheiten durch ein Ungleichgewicht der drei Doshas. Eine auf den jeweiligen Konstitutionstyp abgestimmte Ernährung gleicht körperliche Beschwerden wieder aus.

Die drei Doshas: Vata, Pitta und Kapha

Im Ayurveda lässt sich alles in eine der drei Lebensenergien, die Doshas, einteilen:

  • Vata (Wind, Luft und Äther), das Bewegungsprinzip
  • Pitta (Feuer und Wasser), das Feuer- bzw. Stoffwechselprinzip
  • Kapha (Erde und Wasser), das Strukturprinzip

Es gibt verschiedene Tests, um seine Dosha-Konstellation selbst zu bestimmen – ich kann aber nur dazu raten, dies vom Fachmann, beispielsweise einem Ayurveda-Arzt, bestimmen zu lassen. Obwohl ich dachte, mich selbst sehr gut eingruppieren zu können, kam meine Ayurveda-Medizinerin doch zu einem anderen Ergebnis.

Nicht nur wir haben eine Dosha-Konstellation, auch jedes Lebensmittel hat eine solche. Diese kann sich entweder positiv oder negativ auf unsere körpereigenen Doshas auswirken, indem sie entweder erhöht oder gesenkt werden.

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Agni, das Verdauungsfeuer

Das Verdauungsfeuer Agni kenne ich schon aus dem Yoga. Im Ayurveda spielt es eine entscheidende Rolle zur Erhaltung von Kraft, Gesundheit und Vitalität.

Durch die falsche Ernährung wird unser Agni ausgelöscht – Ziel ist aber immer, das Verdauungsfeuer zu entfachen oder anzuregen. Vorstellen kann man sich das Verdauungsfeuer wie ein Lagerfeuer. Gibt man Wasser (also im übertragenen Sinne kalte Getränke oder Nahrung) hinzu, wird das Feuer gelöscht. Gibt man viel neues Holz ins Lagerfeuer (im übertragenen Sinne sehr schwer verdauliche Nahrund oder zu große Mengen), dann kann das Lagerfeuer ebenfalls ausgehen oder wird geschwächt und entfacht nicht mehr richtig. 

Wenn das Verdauungsfeuer zu schwach ist, kommt es zur Übersäuerung des Organismus. Das Ziel der ayurvedischen Ernährungslehre ist deshalb, Agni zu stärken, beispielsweise durch leichte, doshagerechte Nahrung, Gewürze wie Ingwer, Koriander oder Kreuzkümmel.

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Grundprinzipien der ayurvedischen Ernährungslehre

Es gibt einige Grundprinzipien, die in der ayurvedischen Ernährungslehre essentiell sind:

  • regelmäßig essen, aber nur, wenn man hungrig ist; das Mittagessen ist die Hauptmahlzeit, da dann das Verdauungsfeuer am stärksten ist
  • warme Mahlzeiten werden bevorzugt (können leichter verdaut werden und regen Agni an)
  • die Mahlzeiten sollten doshagerecht sein, denn ein Dosha-Ungleichgewicht oder körperliche Beschwerden können durch den individuellen Einsatz verschiedener  Lebensmittel und Gewürze ausgeglichen werden
  • frisch zubereitete, qualitativ hochwertige Mahlzeiten (bevorzugt regionale und saisonale Produkte)
  • alle 6 ayurvedischen Geschmacksrichtungen (Rasa) sollen in einer Mahlzeit vorkommen (süß, sauer, salzig, bitter, scharf und herb bzw. zusammenziehend)
  • achtsam essen: die Mahlzeiten mit allen Sinnen genießen und wahrnehmen; nicht im Stehen oder im Gehen essen
  • kalte Getränke sind grundsätzlich ungeeignet, denn sie schwächen Agni; bevorzugt werden warmes Wasser oder Kräuter- bzw. Ayurveda-Tees, die nach Störung getrunken werden, d.h., hat man eine Pitta-Störung, trinkt man Pitta-Tee.
  • beim Essen wird nicht getrunken
  • Dessert first: Bei mehreren Gängen ist die Reihenfolge im Ayurveda wichtig: Das Dessert wird zuerst gegessen. Ein Traum, oder?! Hintergrund ist, dass ein süßer Nachtisch am Ende einer Mahlzeit den Körper unnötig belastet. Wird das Dessert hingegen zuerst gegessen, bekommt der Körper das Signal, das Verdauungsfeuer anzuregen.

Mit Hilfe dieser Grundprinzipien können Speisen individuell zusammengestellt werden und ganz gezielt auf die aktuelle Dosha-Konstellation des Menschen einwirken und Krankheiten vorbeugen oder heilen.

Gewürze im Ayurveda

Gewürze spielen im Ayurveda eine besonders große Rolle. Es gibt eine Reihe an Gewürzen, die alle Doshas ausgleichen und somit für jeden Dosha-Typen geeignet sind:

  • Vanille
  • Kurkuma
  • Safran
  • getrockneter Ingwer
  • Fenchel
  • Kreuzkümmel
  • Kümmel
  • Koriander
  • Zimt
  • Kardamom

 

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Ayurveda-Tees von TeeGschwendner

Neben den Grundprinzipien gibt es spezielle Empfehlungen für die drei Dosha-Typen

  • Vata-Typen neigen dem Ayurveda zufolge zu Verdauungsstörungen, Obstipation (Verstopfung) und Untergewicht. Deshalb sollen Vata-Typen regelmäßig essen und gekochte, warme, nahrhafte Lebensmittel bevorzugen. Die Speisen sollten salzig, sauer und süß sein, da diese Geschmacksrichtungen Vata ausgleichen.
  • Pitta-Typen haben laut Ayurveda ein starkes Verdauungsfeuer und neigen deshalb zu Heisshunger. Pitta-Typen können sowohl warme als auch kalte Speisen essen, müssen aber darauf achten, nicht zu viel auf einmal zu essen und Frittiertes und Gebratenes zu meiden. Die Geschmacksrichtungen, die Pitta reduzieren, sind bitter, süß und herb.
  • Kapha-Typen neigen zu langsamer Verdauung und haben einen niedrigen Grundumsatz, weshalb sie bei unzureichender Bewegung zu Übergewicht neigen. Warme Speisen und Getränke, wenig Fleisch, viel Gemüse mit bitterem und herbem Geschmack und Scharfes wirken dem entgegen.

 

Ich hoffe, dieser kleine Einblick in die riesige Wissenschaft des Ayurveda war für euch spannend – wenn ihr Fragen habt, lasst einfach einen Kommentar hier.

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