„Die Eat-Clean-Diät“ von Tosca Reno

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Nachdem ich im Dezember auf Facebook darauf hingewiesen habe, dass das Buch „Die Eat-Clean-Diät“* von Tosca Reno nun auch auf deutsch erscheint, wurde ich mehrmals darum gebeten, meine Einschätzung zu diesem Buch abzugeben. Hier ist sie!

Die Eat-Clean Diät von Tosca Reno

Tosca Reno hat mit ihrem englischsprachigen Buch „The Eat-Clean Diet“ (nicht nur) in den USA einen wahren Hype auslöst und es ist kein Geheimnis, dass auch ich über dieses Buch zum Clean Eating gefunden habe. „The Eat-Clean Diet“ war das erste Buch zum Thema, welches mittlerweile bereits über 2 Millionen Mal verkauft wurde! Erfunden hat Tosca Reno die Begriffe „Clean Eating“ oder „Eat Clean“ aber übrigens nicht – bereits seit den 1970er Jahren sind die Begriffe in der Literatur zu finden (Tosca Renos Buch wurde 2009 veröffentlicht).

Nun kam also die deutschsprachige Ausgabe heraus – und ich war sehr gespannt, ob das Buch lediglich übersetzt, oder auch an den deutschen Markt bzw. Verbraucher angepasst wurde.

Der erste Eindruck

Das Buch ist sehr dick – es enthält über 380 Seiten! Zunächst schaue ich natürlich auf das Buchcover. Den Kritikpunkt, dass der englischsprachige Titel „The Eat-Clean Diet“ aussagen soll, dass Clean Eating eine Diät und keine langfristige Ernährungsumstellung sei, konnte ich nie nachvollziehen. Etwas unglücklich gewählt ist er vielleicht, da „diet“ im Englischen ja einerseits „Diät“, aber auch „Ernährungsweise“ bedeutet. Tosca Reno selbst hat jedoch einmal gesagt, dass sie den Begriff „diet“ heute nicht mehr verwenden würde. Umso erstaunlicher fand ich es, dass der Begriff „Diät“ nun auch für die deutschsprachige Ausgabe verwendet wird – denn im deutschsprachigen ist der Titel zweifelsohne irreführend, da Clean Eating eben keine Diät ist.

Die Inhalte kommen mir sehr bekannt vor: Tosca Reno erklärt zunächst das Eat-Clean-Phänomen und die Grundsätze der Eat-Clean-Diät, widmet dem Frühstück ein ganzes Kapitel und klärt den Leser über den Stoffwechsel und die Kraft des Wassers auf. Das nächste Kapitel nennt sich „Erobern Sie Ihr Leben zurück“, darauf folgen Tipps zum cleanen einkaufen, „Eating clean auf Achse“ und „Eating clean in Gesellschaft“. Das nächste Kapitel ist „Der Einstieg in Ihr Sportprogramm“, darauf folgen „Cellulitis (sic!) und schlaffe Haut“ und „Ein langes Leben“. Auch den Superfoods (Leinsamen, Pilze, Kefir, Chia-Samen, Tempeh, Miso & Co., Fleisch & Geflügel, Fisch & Meeresfrüchte, Adzuki- und Mungobohnen etc.), wurde ein Kapitel gewidmet, es folgen Speisepläne und Einkaufslisten und Rezepte.

Die Rezepte

Die Rezepte in „Die Eat-Clean Diät“ sind bunt gemischt: Von veganen über vegetarische Rezepte bis hin zu Rezepten mit Fisch und Fleisch ist für jeden etwas dabei. Unterteilt wurden die Rezepte in Frühstück, Vorspeisen, Salate, Suppen und Eintöpfe, Schwerpunkt Protein, Beilagen, komplette Mahlzeiten und Desserts. Die Rezepte sind in der Regel für 4 Portionen angegeben, zudem werden Vorbereitungs- und Koch-/ Backzeit genannt. Die Rezepte sind die gleichen, die auch in der englischsprachigen Ausgaben abgedruckt sind.

Die Rezepte von Tosca Reno empfand ich bisher immer als sehr fisch- und fleischlastig und auch Eier kommen häufig vor. Umso erstaunlicher fand ich beim erneuten Lesen, dass auch Tofu vorkommt – das war mir gar nicht mehr präsent. Genau genommen ist natürlich auch Tofu ein verarbeitetes Produkt, je nach Sorte passt es aber aus meiner Sicht dennoch ins Clean-Eating-Konzept – je nachdem, wie die Zutatenliste aussieht. Also genau wie bei Vollkornnudeln oder Naturjoghurt beispielsweise, die ja ebenfalls industriell verarbeitet sind, aber ins Konzept passen. Dennoch hätte ich vegane Rezepte ohne Tofu besser gefunden – es gibt ja wahnsinnig viele Möglichkeiten, auch ohne Tofu leckere, cleane Gerichte zu zaubern. Bedenken muss man hierbei allerdings, dass die Rezepte wahrscheinlich schon vor 8-9 Jahren entwickelt wurden. Also zu einer Zeit, als die vegane Ernährung noch nicht so richtig Aufschwung genommen hatte.

Außerdem sind einige Rezepte sehr zuckerlastig – in die würzige BBQ-Sauce beispielsweise kommen 325 g Bio-Melasse (also Zuckersirup) und in die Honig-Mandel-Plätzchen 235 g Bio-Honig. Ich verwende zwar selbst Rohrohrzucker, Kokosblütenzucker und andere Süßungsmittel in meinen Rezepten, empfinde die Angaben aber dennoch als sehr hoch und würde versuchen, hier weiter zu reduzieren.

Auch wird beispielsweise Couscous verwendet, der in meinen Augen nicht dem Clean-Eating-Prinzip entspricht. Genau wie Bulgur ist auch Couscous stark verarbeitet und wenn man nicht zur Vollkorn-Variante greift (auf die im Buch nicht hingewiesen wurde und die hierzulande auch nur sehr schlecht erhältlich ist), handelt es sich – wie bei „normalen“ Nudeln – einfach um verarbeiteten Hartweizengrieß.

Die Nährwert- bzw. Kalorienangaben im Buch finde ich ebenfalls unpassend. Ich selbst wurde einige (wenige) Male gefragt, weshalb in meinen Büchern keine Kalorienangaben enthalten sind und die Antwort ist ganz einfach: Ich selbst zähle keine Kalorien und bin der Meinung, dass dies nicht zum Clean Eating gehört – ich möchte doch vielmehr zu einem natürlichen Essverhalten zurückkehren oder dies beibehalten und nicht akribisch meine aufgenommenen Nährstoffe zusammenzählen.

Mein Fazit

Alles in allem würde ich die Rezepte als „unaufregend“ bezeichnen – was aber mit Sicherheit damit zusammenhängt, dass ich mich schon lange und sehr viel mit dem Thema beschäftige und die Rezepte schon seit Jahren kenne. Für Einsteiger sind die Rezepte aber mit Sicherheit gut geeignet. Beachten sollte man jedoch, dass einige Rezepte wegfallen, wenn man sich vegetarisch oder gar vegan ernährt. Zudem sind viele Rezepte sehr amerikanisch, was man mögen muss.

Ich denke aber, dass euch insbesondere die vielen Speisepläne und die Einkaufslisten (für Familien, Veganer, Menschen mit Glutenunverträglichkeit etc.) im Buch gefallen werden. Außerdem sind sehr viele praktische Tipps enthalten. Auch hier muss man wieder schauen, welche man davon für sich selbst verwenden kann – wurde das Buch doch eher für den amerikanischen Leser geschrieben.

Gut finde ich außerdem, dass Tosca Reno Clean Eating nicht nur auf die Ernährung reduziert, sondern in einem Kapitel auch auf den sportlichen Aspekt eingeht. 

Anpassungen an den deutschen Markt habe ich keine gefunden – wobei ich natürlich nicht 1:1 verglichen habe, ob nur übersetzt wurde, aber im Großen und Ganzen scheint es so. Etwas gestört haben mich beim Lesen die vielen Wiederholungen im Buch sowie Rechtschreib- und Grammatikfehler und auch die teilweise schlechte Übersetzungen aus dem Englischen. Wer die englischsprachige Ausgabe bereits besitzt, muss sich meiner Meinung nach also nicht auch noch das deutsche Exemplar kaufen.

„Die Eat-Clean Diät“* von Tosca Reno ist dennoch in jedem Fall ein empfehlenswertes Standardwerk mit sehr vielen nützlichen Informationen – aber auch kleinen Abstrichen, die als deutschsprachiger Leser gemacht werden müssen.

4 Kommentare
  1. Beauty Butterflies
    Beauty Butterflies says:

    Mir ist auch sofort negativ aufgefallen, dass da „Diät“ steht. Für mich eines der Unworte des Jahrtausends. Schade, dass es bei der Übersetzung nicht berücksichtigt wurde, dass die Autorin mittlerweile auch anders denkt. Aber „Diät“ verkauft sich wohl einfach besser. Die Leute wollen meist keine langfristige/dauerhafte Ernährungsumstellung, sondern ganz schnell ganz viel Kilos verlieren und danach schön wieder in die bequemen alten Muster.

    Nicht umsonst verkaufen sich Zeitschriften mit „6 Kilo in 4 Tagen“ weiterhin so gut :( Ich hoffe einfach, dass es mit den Jahren besser wird und die Aufklärung die du und andere betreiben, dazu führt, dass die Leute über ihre Ernährung nachdenken und langfristig etwas ändern. In welcher Form auch immer.

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  2. Kathi
    Kathi says:

    Danke für die Rezession! Mir ist schon öfters aufgefallen, dass in vielen amerikanischen Kochbüchern mit Zucker nicht gerade gegeizt wird und die Gerichte trotzdem noch schmecken, wenn man nur die Hälfte verwendet. Aber dass man solche überhöhten Angaben auch in einem, oder vielleicht sogar dem Clean Eating Buch (schließlich hat sie clean eating populär gemacht) findet, passt ja nicht so ganz, oder?!
    Liebe Grüße
    Kathi

    Antworten
  3. Kathrin
    Kathrin says:

    Liebe Hannah,
    du hast genau die Punkte erwähnt, die mir ebenfalls sofort negativ aufgefallen sind. 100% identisch ;-)
    Bei dem Honig bin ich auch erschrocken, also der Menge. Und es wird neben Weizenvollkorn auch normales Weizenmehl verwendet. Geht gar nicht…

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Trackbacks & Pingbacks

  1. Clean Eating in aller Mund! – Upyama sagt:

    […] in Amerika. Tosca Reno ist eine Buchautorin, die sich in der Szene einen Namen mit ihrem Buch „The EAT-CLEAN DIET“ gemacht hat. Sie selber soll einmal übergewichtig gewesen sein. Im Alter von 42 Jahren hat sie es […]

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