BIO – ja oder nein?

Eine Frage, die mir häufig begegnet und die ich mir auch selbst immer wieder stelle, ist: Wie gesund sind eigentlich Bio-Produkte? Sind Lebensmittel mit Bio-Siegel besser als konventionell hergestellte Nahrung? Lohnt es sich, zu ökologischen Lebensmitteln zu greifen oder kann man sich das Geld sparen? Diesen Fragen bin ich nachgegangen und habe mir meine eigene Meinung zu diesem Thema gebildet, um die es in diesem Beitrag geht. Erst einmal vorweg: Ich kaufe viele Lebensmittel in Bio-Qualität ein, aber nicht alle. Ich versuche insbesondere bei Obst, Gemüse und tierischen Lebensmitteln darauf zu achten, dass diese ökologisch hergestellt wurden. Der Einkauf im Bio-Supermarkt (in der Regel Alnatura) macht mir aber grundsätzlich viel mehr Spaß, als der im „normalen“ Supermarkt, weil es hier die für mich interessanteren Produkte gibt. Dennoch: Ich kaufe auch regelmäßig bei Edeka und Rewe ein, ab und an bei Lidl, aber eher selten.

Buntes Gemüse Isemarkt

Bio ≠ Bio – Der Dschungel der Bio-Siegel

Bio ist nicht gleich Bio. Es gibt viele unterschiedliche Standards. Manch ein Discounter hat sein eigenes Bio-Siegel erfunden, andere Lebensmittel tragen ein staatliches Bio-Siegel, andere werden vom Bio-Verband demeter zertifiziert.

Es gibt eine Reihe an Gütesiegeln, mit denen ökologisch hergestellte Lebensmittel gekennzeichnet werden. Die Verwendung eines Siegels ist an die Einhaltung vorgeschriebener Standards geknüpft. Nahrungsmittel mit einem Bio-Siegel gelten als Produkte mit höchstem lebensmittelrechtlichen Standard. Sie unterteilen sich in staatliche Bio-Siegel und Bio-Siegel von Verbänden wie Demeter, Bioland oder Naturland. Die Verbandssiegel erfüllen mindestens die staatlichen Vorgaben – meist gehen haben sie aber noch höhere Standards wie einen 100%igen Ökoanbau und dürfen überhaupt kein gentechnisch verändertes Material enthalten.

Die Einhaltung dieser Kriterien wird durch regelmäßige Warenproben und durch eine Dokumentationspflicht gewährleistet. Öko-Kontrollstellen und verschiedene Verbände sind dafür zuständig.

Damit ihr euch zukünftig im Dschungel der Bio-Siegel zurechtfinden könnt, stelle ich euch die fünf wichtigsten Siegel vor:

Bio-Siegel

EU-Bio-Siegel

Das EU-Bio-Siegel wurde 2010 eingeführt. Nahrungsmittel, die dieses Siegel tragen, dürfen höchstens 0,9% gentechnisch verändertes Material enthalten. 95% der Inhaltsstoffe müssen aus ökologischem Anbau stammen. Geschmacksverstärker, künstliche Aromen und Farbstoffe sind tabu dürfen nicht eingesetzt werden. Jedoch sind 47 Zusatzstoffe erlaubt (von insgesamt über 300 Zusatzstoffen, die in konventionellen Nahrungsmitteln eingesetzt werden dürfen).

Deutsches Bio-Siegel

Das deutsche, staatliche Bio-Siegel wurde 2001 eingeführt. Gentechnisch verändertes Material darf nicht enthalten sein. 95% der Inhaltsstoffe müssen aus ökologischem Anbau stammen. Geschmacksverstärker, künstliche Aromen und Farbstoffe sind tabu und dürfen nicht eingesetzt werden.

demeter

Nahrungsmittel, die das demeter-Siegel tragen, müssen zu 100% aus ökologischem Anbau stammen. Geschmacksverstärker, künstliche Aromen und Farbstoffe sind tabu dürfen nicht eingesetzt werden. 13 Zusatzstoffe sind erlaubt.

Bioland

Auch Nahrungsmittel, die das Bioland-Siegel tragen, müssen zu 100% aus ökologischer Herkunft stammen. Geschmacksverstärker, künstliche Aromen und Farbstoffe sind tabu dürfen nicht eingesetzt werden.

Naturland

Bei Naturland müssen ebenfalls alle Nahrungsmittel und Zutaten zu 100% aus ökologischem Anbau stammen. Geschmacksverstärker, künstliche Aromen und Farbstoffe sind tabu dürfen nicht eingesetzt werden. 21 Zusatzstoffe sind erlaubt.

Einen ausführlichen Vergleich der Bio-Siegel findet ihr hier. Weitere Informationen gibt es außerdem hier.

Kräuter Projekt Gesund leben

Bio ≠ gesund

Im Jahr 2010 schrieb die Stiftung Warentest, dass Bio-Produkte nicht besser sind als konventionelle Lebensmittel, nur teurer (durchschnittlich 30-50%, schaut zu dem Thema aber einmal hier vorbei – denn auch mit wenig Geld kann man sich gesund ernähren). In einer Meta-Analyse der Stanford-University Kalifornien verglich ein Forscher-Team rund um Dena Bravata 223 Studien, in denen Bio-Produkte mit konventionellen Lebensmitteln verglichen wurden. Untersucht wurden beispielsweise der Nährstoffgehalt oder die Belastung mit Pestiziden, Bakterien und Pilzen. Es wurde kein eindeutiger Nachweis darüber gefunden, dass Produkte aus ökologischem Anbau nährstoffreicher sind. Krankheitserreger kamen weder bei Bio-Lebensmitteln noch bei solchen aus konventionellem Anbau häufiger vor. Aber – und das ist für mich das entscheidende: Die Bio-Lebensmittel waren seltener mit Pestiziden kontaminiert, aber zu 100% frei davon waren sie auch nicht. Auf konventionell hergestellten Lebensmitteln werden immer wieder Pflanzenschutzmittelrückstände gefunden. Unklar ist jedoch auch, inwiefern Pestizide der menschlichen Gesundheit schaden. Bio-Obst und -Gemüse sind meist frei von Pesitiziden, was ein klarer Pluspunkt ist – dafür bleiben sie natürlich auch nicht so lange haltbar und verderben schneller als konventionelles Obst und Gemüse. 

Bei der Frage, ob biologisch angebaute Lebensmittel gesünder sind, als konventionell angebaute, muss man sich zuerst einmal klarmachen, dass das Ziel von biologisch hergestellten Lebensmitteln nicht primär ist, dass die Lebensmittel gesünder sind. In erster Linie geht es darum, die Umwelt zu schonen und den Tieren ein artgerechtes Leben fernab der Massentierhaltung zu ermöglichen. Klimaschutz, Artenschutz, Bodenqualität und Gewässerschutz stehen im Vordergrund.

Viel entscheidender als die Tatsache, ob Lebensmittel nun Bio-Qualität haben, oder nicht, ist, jedoch was überhaupt gegessen wird. Jemand, der sich ausgewogen ernährt und dabei aber zu konventionellen Lebensmitteln greift, lebt noch immer sehr viel gesünder, als jemand, der viel Fast Food und Fertigprodukte isst.

Auch Fertiggerichte aus dem Bio-Supermarkt sind nicht zwingend gesünder als solche ohne Bio-Siegel. Sie enthalten häufig ebenfalls viel Zucker (meist aber immerhin alternative Süßungsmittel wie Rohrohrzucker, Agavendicksaft oder Kokosblütenzucker*).

Regional und saisonal

Dass Bio ≠ Bio ist, schrieb ich bereits weiter oben. Ich finde es immer wieder lustig, wenn ich sehe, woher Bio-Lebensmittel kommen. Insbesondere in Supermärkten sehe ich immer wieder Bio-Äpfel aus Neuseeland und andere importierte Bio-Lebensmittel. Solche Lebensmittel, die auch bei uns angebaut werden, kaufe ich grundsätzlich nicht, nur weil sie „Bio“ sind. Hier greife ich dann doch lieber zu den konventionellen Äpfeln vom Bauern aus der Region. Bei Obst- und Gemüsesorten, die bei uns gar nicht vorkommen, ist das natürlich etwas anderes.

Mein Fazit

Ich selbst versuche, so oft wie möglich Obst und Gemüse aus ökologischem Anbau zu kaufen, achte aber gleichzeitig auf einen regionalen Anbau und darauf, dass die Obst- und Gemüsesorten auch Saison haben. Immer ist das nicht möglich und das ist dann auch kein Drama für mich. Hier könnt ihr nachlesen, bei welchen Lebensmitteln ihr unbedingt zu Bio-Ware greifen solltest – und welche Lebensmittel auch konventionell angebaut nur wenig bis keine Pestizide enthalten:

Auch andere Nahrungsmittel kaufe ich häufig im Bio-Supermarkt (wo genau ich einkaufe erzähle ich euch nächste Woche in einem Beitrag). Ich achte jedoch auch im Bio-Markt immer auf die Zutatenlisten. Zudem bevorzuge ich die staatlichen Bio-Siegel.

Schreibt mir gerne eure Meinungen zum Thema „Bio – ja oder nein?“ als Kommentar!

17 Kommentare
  1. Lisa
    Lisa says:

    Hallo Hannah,
    vielen Dank für deinen informativen Beitrag. Ich selbst versuche auch so viel Bio wie möglich zu kaufen, vor allem bei Fleisch, Eiern, Milch, Obst und Gemüse. Und in Biomärkten könnte ich stundenlang stöbern ;) Allerdings muss ich mich oft auch „zügeln“, denn sonst geht das ganz schön ins Geld. Ich bin schon auf deine nächsten Beiträge gespannt.
    Viele Grüße
    Lisa

    Antworten
  2. Laura
    Laura says:

    Danke, dass du uns hilfst, uns in diesem Bio Jungle zurecht zu finden. Ich gehe auch am liebsten im Bioladen einkaufen. Wenn ich etwas mit Ruhe und Genuss einkaufe, esse ich lustigerweise viel weniger, genieße es aber umso mehr. Anders als bei Dingen die ich im „normalen“ Supermarkt mal eben schnell mit nehme.
    Leider wohne ich die meiste Zeit in Ungarn und hier ist Bio noch nicht so verbreitet, weil es sich die meisten Menschen hier einfach nicht leisten könnten. Da bleibt für viele Lebensmittel nur das kleine Regal im dm.

    Antworten
  3. Bee
    Bee says:

    Mit dem Thema Bio hatte ich mich auch vor einiger Zeit auf meinem Blog auseinandergesetzt, allerdings nicht so in die Tiefe gehend wie du :) Pestizide möchte ich so wenig wie möglich in meinem Essen haben, zudem schmecken mir die Bio-Gemüse einfach besser. Ich habe eine Bio-Kiste abonniert, die von einem demeter Bauern kommt. Ich bin damit sehr zufrieden. Kartoffeln zB kaufe ich von einem regionalen Anbieter, genauso Fleisch, ich esse wenig, kaufe aber bei einem Bauern, der selbst schlachtet…

    Es gibt Freunde die mir sagen, Bio gibt es nicht… Ich habe selten Lust das zu diskutieren, es scheint ein polarisierendes Thema zu sein.

    Liebe Grüße, Bee

    Antworten
  4. Tanja
    Tanja says:

    Liebe Hannah,

    vielen Dank für Deine Infos.
    Nach jahrelangen Irrwegen und studieren der Zutatenlisten und Herkunft was BIO betrifft, habe ich auch meinen ganz persönlichen Leitfaden entwickelt. Tierische Produkte versuche ich immer in Demeter Qualität zu kaufen. Regionales vom Bauer um die Ecke bevorzuge ich allerdings immer und die mit Pestizid als hochbelastet bekannten Gemüse- und Obstsorten kaufe ich in Bio Qualität. Aber dies bitte alles ganz entspannt

    Antworten
  5. Doris
    Doris says:

    Hallo Hannah, toller Beitrag! Ich sehe das genauso wie du. Sehe den Sinn der Bio-Lebensmittel bei Tierschutz, Klimaschutz, Artenschutz, Bodenqualität und Gewässerschutz, wie Du schreibst. Und kaufe auch lieber konventionelle regionale und saisonale Produkte als Bio von weither, wenn es keine Alternativen gibt. Bin auf deine nächsten Beiträge gespannt.
    Viele Sonntagsgrüße
    Doris

    Antworten
  6. Maike
    Maike says:

    Hallo Hannah,
    ich halte es wie du: Wenn ich die Wahl habe zwischen konventionellen Möhren aus Deutschland und Bio-Möhren aus Spanien, nehme ich die deutschen und tendiere generell eher zu Obst und Gemüse aus der Region (zumal die Bio-Produkte gerade im Supermarkt häufig in Plastik geschweißt sind :-/). Bei tropischen Früchten greife ich immer zum Bio-Siegel, aus Schutz vor Mensch, Tier und Natur.

    Wo ich inzwischen (wenn überhaupt) auch nur noch zu bio greife, ist bei Tiefkühl-Früchten und -Gemüse. Deren Herkunft muss noch immer nicht deklariert werden. Dabei werden immer wieder in chinesischem Obst und Gemüse nicht nur starke (z.B. arsenhaltige) Pestizide nachgewiesen, sondern auch Viren, Bakterien und andere gesundheitsgefährdende Stoffe.

    Vielen Dank für diesen informativen Artikel.

    Viele Grüße
    Maike

    Antworten
  7. Mareike
    Mareike says:

    Hallo liebe Hannah, eine tolle Übersicht, die du dort erstellst hast und die vielen bestimmt hilft sich im Dschungel der verschiedenen Siegel zurecht zufinden. Allerdings sind meines Erachtens die Unterschiede zwischem EU-Bio Siegel und deutschem Bio-Siegel nicht gegeben. Vielmehr wurde das EU-Bio Siegel als einheitliches Siegel auf Basis des deutschen Bio-Siegel entwickelt und beide Siegel basieren daher auf den gleichen Richtlinien. Da vielen Verbrauchern in Deutschland das deutsche Bio-Siegel Logo bekannter ist wird dieses häufig zusätzlich zum EU Bio-Siegel verwendet.
    Viele Grüße
    Mareike

    Antworten
  8. Kathi von My Happiness
    Kathi von My Happiness says:

    Vielen Dank für die Hilfe im Bio-Jungle!
    Ich kaufe jetzt seit einiger Zeit bei einem Hofladen um die Ecke und muss sagen, dass ich mich sehr gut damit fühle – frische Lebensmittel, die einfach super schmecken :) Das ist mir auch den höheren Preis wert…

    Liebst
    Kathi

    Antworten
  9. Karin
    Karin says:

    Ich kauf meistens Bio, weil wir einen schönen Bauernstand haben, an dem ich leicht vorbeiradeln kann. Aber an Bio ist nicht automatisch gesund arbeite ich bei meinem Mann noch. Zutatenliste lesen ist nicht so seins.

    Antworten
  10. Anni
    Anni says:

    Zum Thema, ob sich Bio im vergleich zu konventionellem Obst und Gemüse lohnt gibt es bei nutritionfacts.org eine tolle Videoreihe. Vielleicht interessiert dich das ja :)

    Antworten
  11. Christian
    Christian says:

    Toll geschrieben, gehe aber zum Thema Bio-Äpfel aus Neuseland nicht d’accord.
    Wer wie du gerne im August einen Apfel-Smoothie macht sollte sich klar machen das es effizienter ist, Äpfel aus Neuseeland zu importieren als hier den ganzen Sommer in Kühlhäusern zu lagern.
    Siehe auch
    http://www.zeit.de/2012/26/Stimmts-Apfel-Import
    und
    https://en.wikipedia.org/wiki/Food_miles

    Ich glaube unsere Ansprüche an Verfügbarkeit von Obst und Gemüse ist gestiegen. Vielleicht sind sie zu hoch. Unsere Altvorderen waren in der Lage, Äpfel über den Winter im Keller einzulagern, auch ohne aktive Kühlung. Oder einzukochen.

    Antworten
  12. Vanessa
    Vanessa says:

    Ein ganz toller Beitrag! Ich trage deinen Blog mittlerweile an jeden heran, der es hören will. Im Bio Dschungel finde ich mich schon länger zurecht, was mir allerdings noch nicht bewusst war, ist, welche Obst- und Gemüsesorten stark Pestizid belastet sind, das werde ich mir ausdrucken und im Geldbeutel verstauen. Danke dafür :) allerdings kaufe ich tatsächlich in erster Linie Bio, wie du schon sagst, um Umwelt (und bei Milchprodukten) Tier zu schonen, nicht mich selbst. Das ist ein positiver Nebeneffekt.
    Zu den regionalen Produkten: ich hab doch allen Ernstes vor kurzem Bio Kartoffeln gekauft und erst zuhause gemerkt, dass sie aus Israel kommen. ISRAEL?? Als ob bei uns keine Bio-Kartoffeln angebaut werden ^^ die hätte ich am liebsten zurück gebracht.
    Alnatura mag ich übrigens auch sehr sehr gerne und gehe auch regelmäßig hin. Hier in Bayern ist der Ebl allerdings mehr verbreitet. Der ist leider etwas teurer, aber auch ein bisschen mehr „öko“ als Alnatura, was ich gerne mag.

    Liebste Grüße,
    Vanessa

    Antworten
  13. Peters
    Peters says:

    Hallo, finde die Beiträge sehr interessant , eine Frage habe ich, versuche Produkte zu kaufen ohne Zucker, leider findet man auch in Bioprodukte reichlich Zucker
    Hat jemand einen Tipp?
    Lg Andrea

    Antworten

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