#FUCKOFFHENRY – Janines Kampf gegen das Non-Hodgkin Lymphom

Manchmal muss man auch einfach „FUCK“ oder in diesem Fall „FUCK OFF“ sagen. Zum Beispiel zu Henry. Wer Henry ist, erfahrt ihr weiter unten im Interview, das ich mit Janine geführt habe. Ich stelle euch heute nämlich eine sehr starke, taffe und inspirierende junge Frau vor, von der wir alle uns eine Scheibe abschneiden können. Auf Janine aufmerksam wurde ich vor einigen Monaten, als sie mir auf Instagram folgte. Schon länger hatte ich die Idee, Janine zu fragen, ob sie Lust auf ein Interview hat. Aber wie das so ist, die Zeit ist immer knapp. Im August war dann der passende Zeitpunkt gekommen, denn Janine schlug mich bei Radio Fritz in der Sendung Trackback für die Rubrik „Blogger privat“ vor, wofür ich mich natürlich bedanken musste. Ich freue mich sehr, dass sie sich die Zeit genommen hat, meine Fragen ausführlich zu beantworten! Viel Spaß beim Lesen!

Janine_Fuck_off_HenryJanine, dein Blog heißt #FUCKOFFHENRY. Wer bist du und vor allem: wer ist Henry?
Ich bin 33 Jahre alt und lebe in Berlin. Henry ist mein Non-Hodgkin Lymphom (NHL), welches sich im Mai 2013 unter meinem linken Brustbein bemerkbar machte.

Was hat dich dazu bewegt, deine Geschichte niederzuschreiben und öffentlich zu machen? Wen willst du mit deinem Blog erreichen?
Nach meiner Chemotherapie begann ich im Internet nach der doch recht seltenen Krebsart NHL zu recherchieren und hielt Ausschau nach Gleichgesinnten. Die Ergebnisse im Netz waren hierzulande recht spärlich gesät und die Informationen beschränkten sich zumeist auf den medizinischen Teil. Das war zwar alles ganz ok, sprach dann aber doch eher die Zielgruppe 60 plus und weniger mich persönlich an. Ich wollte mich mit Gleichgesinnten austauschen und fernab von Themen wie „Welche Medikation hast du bekommen? Und wie schlecht ging es dir dabei?“ über das Erlebte sprechen. Mit einer riesen Ladung positiver Gedanken bin ich durch die schwerste Zeit meines Lebens gegangen und möchte die symbolische Kopfstütze in Form dieses Blogs nun an andere Betroffene weitergeben. Deshalb entschloss ich mich, mit Henry an die Öffentlichkeit zu gehen und einen anderen Weg mit dem Umgang von Krebs aufzeigen. Denn Kommunikation und der Austausch untereinander ist bei solch einer Erkrankung sehr wichtig.

Gibt es etwas, das du durch den Krebs gelernt hast? Wie hat sich dein Leben durch die Diagnose verändert?
Oh ja! Wenn du am Klippenrand stehst und plötzlich nach ganz unten schaust und im letzten Moment wieder auf die sichere Aussichtsplattform angelangt bist, verändert sich die Sichtweise auf dein zukünftiges Leben enorm. Ich habe alles auf links gedreht, nehme alles bewusster war, bin unfassbar relaxt und entschleunigt. Ich achte sehr genau auf meine Ernährung und habe mir viel Zeit für mich genommen und Dinge entdeckt die mir Spaß machen. Monsieur Stress mache ich definitiv nicht mehr die Tür auf und lasse nur noch angenehme Gäste in mein Häuschen. Die Begegnung mit Henry hat bei mir auch viele Interessen zu Tage gefördert. Beispielsweise beschäftige ich mich derzeit verstärkt mit dem Thema Typografie und Kalligrafie und nehme mir ausgiebig Zeit dafür. Daraus ist unter anderem auch mein neuestes Projekt FONRY entstanden.

Was hat es mit FONRY auf sich?
Die meisten Frauen kennen das: Ein neuer Lebensabschnitt, eine neue Frisur. Das war bei mir ganz ähnlich, nur gab es zu diesem Zeitpunkt nichts auf meinem Köpfchen, mit dem mein Friseur hätte etwas anfangen können. Daher führte der Weg zum Tätowierer. Nach einem kurzen Beratungsgespräch ging ich dann jedoch wieder nach Haus – ohne Tattoo. Frauen die stillen oder Menschen die Antibiotika nehmen sollten in dieser Zeit von einer Tätowierung absehen. Doch warum, fragte ich mich und fing an zu recherchieren. „Giftige Stoffe und Autolacke in Tätowierfarbe entdeckt!“ nach solchen Headlines verging mir recht schnell die Freude auf ein gestochenes Bild für die Ewigkeit und ich begann nach Alternativen zu suchen. Schnell landete ich bei sogenannten Fake Tattoos. Die Klebetattoos kennen die meisten aus der Zeit der Bravo, doch vereinzelt gibt es diese Motive auch in hübsch und für Erwachsene. Leider beschränkt sich hier die Auswahl und so entschied ich mich eigene Motive zu entwerfen. Die FONRYs (der Name leitet sich von #FUCKOFFHENRY ab) sind hautverträglich, ungiftig und werden in Deutschland nach der Kosmetikverordnung (KVO) hergestellt. Es gibt sie in drei verschiedenen Farben: mint, coral und black. Sie halten bis zu 5 Tage, lassen sich problemlos wieder entfernen und sind unter www.FONRY.de erhältlich ;)

Du hast eben erwähnt, dass du sehr genau auf deine Ernährung achtest und auf deinem Blog haben ich gelesen, dass du deinen Ernährungsplan komplett umgekrempelt hast. Was genau hast du geändert?
Das stimmt. Frei nach dem Motto „Wenn du einmal Krebs hast, gehst du ihm in Zukunft aus dem Weg.“ ernähre ich mich hauptsächlich basisch und bereite jeden Tag so viel wie möglich selbst und mit frischem Gemüse zu. Meine Einkäufe tätige ich ausschließlich in Bioläden und schlender über die Wochenmärkte. Ja, das geht ganz schön ins Geld. Wenn man sich jedoch bewusst macht, dass diese Investition ganzheitlich auf die Gesundheit einzahlt, ist dann plötzlich nichts mehr zu teuer. Es ist eine Umstellung, doch der Körper dankt es einem sehr schnell. Mein allgemeines Wohlbefinden lässt sich kaum noch steigern und meine Haut ist der absolute Wahnsinn! Wir geben so viel Geld für Krimskram aus und sparen wie verrückt an dem, was wir zu uns nehmen. Hier muss dringend ein Umdenken stattfinden. Ich kann allen nur empfehlen beim nächsten Einkauf sich folgendes zu fragen: „Gäbe es dieses Produkt auch ohne die Lebensmittelindustrie?“ Wenn ihr dies mit JA beantworten könnt und den Inhaltshinweis auf der Rückseite komplett versteht, ist dies der entscheidende Schritt in die richtige Richtung.

Das kann ich genau so unterschreiben! Was hat dir noch geholfen, wieder gesund zu werden?
Viel Ruhe und Entspannung. Der Garten meiner Oma in Brandenburg half mir sehr die Lautstärke der Großstadt hinter mir zu lassen. Ich gehe regelmäßig zum Sport und habe mit Yoga wieder zu meinen alten Kräften zurück gefunden. Auch das Schreiben und zeichnen hilft mir immer noch sehr beim abschalten. Und auch die vielen schönen Gespräche mit meiner Familie und Freunden waren ein fester Bestandteil auf dem Weg der Genesung.

Was hast du für deine Zukunft geplant? Wie wird es auf #FUCKOFFHENRY weiter gehen?
Oh, es gibt so viele Pläne ;) Am wichtigsten ist es für mich die nächsten vier Jahre ohne die erneute Bekanntschaft von Henry zu überstehen. Dann bin ich nämlich offiziell krebsfrei, YEAH! So lange wird es auch den Blog #FUCKOFFHENRY geben. Im Oktober beginne ich aber erstmal wieder als PR-Freelancer zu arbeiten und plane für das nächste Jahr einen längeren Urlaub…

Liebe Janine, ich danke dir, dass du dir Zeit für dieses Interview genommen hast und wünsche dir nur das Beste für deine Zukunft! Deine Zeilen haben mich sehr berührt und ich denke, so geht es vielen anderen, die diese Zeilen lesen, auch. 

6 Kommentare
  1. fitandsparklinglife
    fitandsparklinglife says:

    Eine wundervolle und unfassbar starke Frau! Keiner der je sowas durchmachen musste, weiß wie viel Kraft so eine Chemotherapie kosten muss. Ich hoffe wirklich sehr, dass ich so etwas nie erleben muss…aber umso erstaunter bin ich, so einen glücklichen und zufriedenen Menschen durch dieses Interview kennenlernen zu dürfen, obwohl sie in solch jungen Jahren schon so einen Mist durchmachen muss/musste! Ich drücke Janine alle Daumen die ich habe, dass Henry auch in den nächsten vier Jahren nicht zu ihr zurückkommt und er sich einfach ganz weit weg „verpisst“! Fuck off!
    Liebe Grüße Jenny

    Antworten
  2. Cathy
    Cathy says:

    So inspirierend und stärkend.
    So stark, dass man selbst auf einmal glaubt, dass man alles schaffen kann.
    Die Welt braucht viel mehr solcher toller Menschen!

    Antworten
  3. Berit
    Berit says:

    Wow, Janine, beeindruckend! Und Hannah, danke für das Interview.

    Die Tattoos sehen übrigens super aus, die Federn mag ich am liebsten. Eine tolle Deko für mich für meinen 40. ;-)

    Liebe Grüße
    Berit

    Antworten
  4. Sabine Benz
    Sabine Benz says:

    Hallo Janine und Hannah,

    Ich bin 45 Jahre alt und habe das Interview am 24.09.2014 bei RTL GMD gesehen. Ich habe meinem Tumor auch einen Namen gegeben.
    im März 2014 erfuhr ich, dass ich einen Tumor hinter der rechten Brustwarze habe. Schock Angst Panik alles auf einmal.
    War am Boden zerstört. Eine sehr gute Freundin besuchte mich eines Tages.
    Wir plauderten ein wenig über den Tumor, bis mir der Gedanke kam: Über den Tumor zu reden hört sich scheiße an und so gab ich meinem Tumor den Namen Karle. Es hört sich besser an: Karle ich bin stärker wie du als Tumor. Gott sei Dank war es kein böser Karle braucht nur “ OP Brusterhalten, Strahlentherapie und Reha. Bin jetzt wieder voll im Berufsleben. Aber ein zweites mal möchte ich dies nicht nochmal. Es hat sich einiges in meinem Leben verändert.

    Liebe Grüße

    Sabine

    Antworten

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