Projekt „Zuckerfrei“ – Interview mit Katharina von katharinakocht.com

,

Vor einigen Wochen habe ich durch Zufall in der Buchhandlung ein Buch entdeckt, dass mich sofort angesprochen hat: Zucker, der heimliche Killer*. Dass Zucker ähnlich abhängig macht, wie Kokain, konntet ihr bereits hier lesen. Das Buch hat mich dazu angeregt, meinen Zuckerkonsum mal wieder zu überdenken bzw. ihn mir wieder bewusst zu machen. Ich versuche zwar, meinen Zuckerkonsum so niedrig wie möglich zu halten, aber gerade in der Weihnachtszeit gibt es bei mir auch Kekse und andere Leckereien, die Zucker enthalten. Katharina von katharinakocht.com hingegen lebt seit einiger Zeit komplett zuckerfrei. Als ich zum ersten Mal von ihrem Projekt las, war ich direkt begeistert und habe ihre Berichte zu dem Thema nur so verschlungen. Daher freut es mich umso mehr, dass Katharina so nett war, mir einige Fragen zu ihrem Projekt zu beantworten.

Katharina_kocht

Liebe Katharina, im Mai 2012 hast du Zucker von deinem Speiseplan verbannt. Was war der Auslöser?
Im Prinzip war es eine Challenge, eine Herausforderung an mich selbst, denn ich war ein richtiger, echter Zuckerjunkie, wie er (oder eher sie?) im Buche steht – hauptsache süß. Dann las ich über das Projekt „1 week sugar free“ bei einer Bloggerkollegin und dachte zunächst, „pffffft! Was ist das denn für ein Quatsch? Niemals!“ Doch wie jede gute Idee ließ mich der Gedanke nicht in Ruhe, sondern setzte sich richtiggehend bei mir fest. Und als sie dann schrieb, dass sie seit neuestem total leicht aus dem Bett käme und morgens putzmunter wäre, hatte sie mich… denn damit hatte sie mein größtes Problem adressiert. Damit fing es an, denn ich wollte mir beweisen, dass ich das auch kann. Zugegeben, aufstehen fällt mir nach wie vor nicht leicht, aber alle anderen Vorteile haben mich einfach überzeugt, so dass ich die eine Woche auf „erstmal lebenslang“ ausgedehnt habe.

Du hast das Projekt „Zuckerfrei“ mit Hilfe des 8-Wochen-Plans von Sarah Wilson* umgesetzt. Fiel es dir leicht, 56 Tage durchzuhalten, oder waren die Entzugserscheinungen stark? Was hat dich motiviert, am Ball zu bleiben?
Die ersten Wochen waren die schwersten, so wie jeder Anfang. Aber gerade in den ersten Tagen war ich so von Euphorie getragen, dass ich sie ohne größere Probleme durchhalten konnte. Zudem bietet das Programm eine ganze Reihe Alternativen für den Moment, in dem einen der süße Hunger kalt erwischt. Ich bin nie unvorbereitet aus dem Haus gegangen, sondern hatte immer einen Snack dabei, beispielsweise ein paar Nüsse oder Käsewürfel. Die Entzugserscheinungen hielten sich bei mir glücklicherweise auch im Rahmen, lediglich ein einziges Mal hatte ich starke Kopfschmerzen. Da ich aber mit solchen Nebenwirkungen gerechnet hatte, war ich darauf eingestellt und konnte entsprechend reagieren. Was mir sehr geholfen hat war Lesen! Ich habe in der Zeit jeden Artikel, jede Website und viele Bücher zum Thema Zucker gelesen und so nach und nach verstanden, warum Zucker bzw. Fructose einfach keine gute Idee ist. Das war eine tolle Motivation und eine Bestätigung, dass ich auf dem richtigen Weg war.

Welche gesundheitlichen Auswirkungen hast du durch den Verzicht auf Zucker an dir feststellen können?
Die Veränderungen, die ich in den ersten Wochen spürte, waren vor allem in viel mehr Energie zu merken. Ich mochte immer noch nicht gern aufstehen, sah aber morgens nicht mehr so zerknittert aus. Ich konnte mich besser konzentrieren und fühlte mich rundum topfit. Und die Wohlstands-Kilos schmolzen in kürzester Zeit und haben sich seither nicht mehr wieder blicken lassen, und auch die derzeitige Gewichtszunahme in der Schwangerschaft hält sich sehr in Grenzen. Die großartigste Auswirkung war aber wohl diese: Innerhalb von drei Wochen nach Start des Zuckerfrei-Programms hat sich mein vorher furchtbar zickiges Hautbild grundlegend gebessert. Ich hatte bis zu dem Zeitpunkt eine picklige, unreine Teenager-Haut, und das mit Anfang 30! Keine Creme, keine Salbe half, und vor meiner Hochzeit habe ich tatsächlich wochenlang ein Hautantibiotikum genommen. Diese ganzen teuren Mittelchen hätte ich mir so einfach sparen können, wenn ich um die Zusammenhänge zwischen meinem Zuckerkonsum und den Hautproblemen gewusst hätte. Zucker wirkt enzündungsfördernd, und wenn man per se schon eine empfindliche und zu Rötungen neigenden Haut hat, triggert Zuckerkonsum die Bildung von Pickeln und Bläschen. Allein die Lösung dieses kosmetischen Problems ist mir die Mühe wert, die es manchmal macht, Zutatenlisten genau zu studieren.

Auf deinem Blog schreibst du, dass du im Café oder Restaurant sagst, du hättest eine Fructose-Unverträglichkeit, um dir lange Erklärungen zu ersparen. Das kann ich sehr gut nachvollziehen. Wie reagiert dein Umfeld (Familie, Freunde, Arbeitskollegen…) darauf, dass du zuckerfrei isst?
Am Anfang war es mit meinem Umfeld, aber auch für mein Umfeld nicht leicht. Ich habe endlose (und ergebnislose) Diskussionen geführt, denn interessanterweise fühlen sich viele Leute angegriffen und verteidigen energisch ihre süßen Gewohnheiten. Es war in etwa wie die Debatte zwischen Vegetariern und Fleischessern… Mittlerweile habe ich ein paar Standardsätze parat, die einer langen Diskussion vorbeugen und in denen ich klar mache, dass es für mich persönlich einfach die beste Lösung ist, dass ich aber niemanden bekehren oder missionieren will. Auch die Sache mit dem gemeinsamen Essen gehen war am Anfang nicht so ganz leicht – man wird sozial ein bisschen unverträglich, wenn man als einziger im Restaurant alles genau hinterfragt. Ein wenig kam ich mir vor wie eine Parodie dieser Hollywood-Stars – „ooooh, für mich kein Dressing, und auch ohne Ketchup, bitte!“ Dadurch entstand dann die Ausrede mit der Fructose-Unverträglichkeit, was natürlich so nicht stimmte – zumindest nicht im herkömmlichen Sinne einer Intoleranz. In der Zwischenzeit haben meine Familie, Freunde und die Kollegen das aber akzeptiert und machen zum Teil mit! Manche sind sogar so lieb und kochen zuckerfreie Varianten oder haben eine Alternative für mich parat, was mich immer sehr freut.

Wie stehst du zu Zuckerersatzstoffen wie Süßstoff, Stevia oder Agavensirup?
Es kommt ganz klar auf den Ersatzstoff an. Rein chemische Süßstoffe wie Aspartam oder Acesulfam-K meide ich, so es irgend geht. Stevia schmeckt mir persönlich nicht, und in den meisten Fällen ist Stevia auch nicht pur zu erhalten, sondern immer mit einem weiteren Süßstoff gestreckt. Agavendicksaft, Ahornsirup und Honig, wiewohl aus natürlichen Quellen gewonnen, sind mir zu fructosehaltig, gerade Agavendicksaft ist eine reine Zuckerbombe. Für mich akzeptable Süßmittel sind glucosebasierte Stoffe wie Reissirup oder Traubenzucker, wobei ich hier schon auf die Menge achte, da sie den Blutzuckerspiegel ziemlich in die Höhe schießen lassen. Zum Backen benutze ich ganz gern Produkte aus dem Zuckeralkohol Erythritol. Aber so insgesamt stelle ich fest, dass ich kaum noch zugesetzten Süßstoff brauche. Die Geschmacksnerven sind wunderbar sensible Dinger, die wir leider mit einem Zuckerguss überzogen haben, und die wir erst wieder auf Normalnull zurückführen müssen. Übrigens habe ich auf meinem Blog eine Zuckerersatz-Übersicht erstellt, in denen ich alles noch etwas genauer erläutere.

Jetzt mal Butter bei die Fische: isst du wirklich zu 100% zuckerfrei oder wirst du beim Anblick eines leckeren Stückes Torte doch manchmal schwach?
Bei mir zu Hause geht es wirklich komplett zuckerfrei zu. Wir haben eine „Notfalldose“ Zucker für Gäste, aber da die meisten ihren Kaffee ohne Süße trinken, ist der Zucker darin schon fast verkrustet… :-) Wenn ich unterwegs bin, schaue ich auch auf die Zutaten (irgendwann weiß man ja, was geht und was nicht) und in den allermeisten Fällen kann ich Zucker gut umschiffen – die Torte im Café bewundere ich eigentlich nur, weil sie so hübsch aussieht. Schwieriger wird es, wenn ich bei jemandem zum Kaffeetrinken oder zum Essen eingeladen bin. Da schlägt dann wohl einfach die gute Erziehung durch und ich probiere zumindest den selbstgebackenen Kuchen oder das Dessert. Auch melde ich dann keine großen Sonderwünsche an, wenn die Salatsauce Balsamico oder Senf enthält. Ich esse eben einfach weniger davon. Im Moment bin ich im 7. Monat schwanger und bin mir ziemlich sicher, dass die Lebensweise ohne Zucker sehr dazu beigetragen hat, dass ich keinerlei „seltsamen“ Gelüste oder den permanenten Jieper auf Schokolade oder Süßes entwickelt habe. Auch die gefürchteten Fressanfälle sind weitestgehend ausgeblieben. Übrigens haben Studien ergeben, dass zwischen morgendlicher Übelkeit und Zuckerkonsum in der Schwangerschaft eine Verbindung besteht. Vielleicht sind’s ja auch bloß die Gene, aber das morgendliche Übel ist komplett an mir vorbei gegangen! Grundsätzlich ist „zuckerfrei“ eine für mich passende Ernährung, die mir sehr gut tut. Und, das muss ich auch immer wieder betonen, die überhaupt nicht von „Darben und Verzichten“ geprägt ist, wie so viele befürchten. Das zuckerfreie Leben kann ganz schön süß sein!

Liebe Katharina, vielen Dank für deine interessanten und ausführlichen Antworten!

Schaut unbedigt auch auf Katharinas Blog vorbei – sie postet regelmäßig tolle Rezepte! Ich werde mir den 8-Wochen-Plan von Sarah Wilson, mit dem Katharina ihren Einstieg in das zuckerfreie Leben geschafft hat, auch einmal anschauen.

11 Kommentare
  1. Astrid
    Astrid says:

    Wow, dass Thema hat mich jetzt gepackt!!! Ich werde mich auf jeden Fall mal genauer damit befassen und auf Katharinas Blog stöbern.
    Das mit den Geschmacksnerven ist wirklich faszinierend. Ich esse seit bald einem Jahr keinen fertigen Joghurt mit Frucht oder Ähnliches. Vor einiger Zeit aß ich solch einen und es schmeckte einfach nur noch abartig!!

    Antworten
    • Hannah
      Hannah says:

      Da hast du Recht. Ich verstehe auch nicht, warum man sich so Dinge wie Erdbeerjoghurt kauft anstatt einfach Erdbeeren zu pürieren und mit Joghurt zu vermischen! :-)

      Antworten
  2. Sonja
    Sonja says:

    Hallöchen,
    Ja, dieses Projekt habe ich auch schon hinter mir! Ich habe damals auch viel darüber recherchiert und wollte es unbedingt mal ausprobieren.
    Die Woche ohne Zucker zu gestalten war gar nicht so einfach, weil ja tatsächlich in fast allen Lebensmitteln Zucker zugesetzt ist. Nichtsdestotrotz hat es prima geklappt…Geholfen hat mir dabei tatsächlich auch die enorme Unterstützung und das Feedback, was ich über meinen Blog bekommen habe. Seitdem esse ich auch fast kaum noch Lebensmittel mit „normalem“ Zucker, bin viel wacher beim Einkauf.
    Es ist schon spannend und interessant, sich mal mit ’seinem Essen‘ auseinanderzusetzen, was man da so alles entdeckt und lernt….
    Gruß und Kuss,
    Sonja

    Antworten
    • Hannah
      Hannah says:

      Hallo Sonja,
      was du geschrieben hast, kann ich nur so unterschreiben. Ich schaue mich gleich mal auf deinem Blog nach deinen Berichten zum Thema „zuckerfrei“ um. :-)
      Liebe Grüße!

      Antworten
  3. Din
    Din says:

    Ein wunderbar informatives und inspirierendes Interview. Vielen Dank.

    Bei mir geht es nun auch schon seit Jahren zuckerfrei zu und es ging mir nie besser. Ich setze wenn auch Süßungsmittel auf reines Stevia, ab und an als Austausch, um Masse zu schaffe wie beim Backen auf Xylit. Ansonsten gibt es meist Erythritol, wenn ich etwas Süßes essen oder trinken möchte. Da ich aber viel Obst und Gemüse esse, was eigentlich immer irgendwie lieblich, wenn nicht sogar süß ist, habe ich nur selten ein Verlangen nach mehr.

    Antworten
    • Hannah
      Hannah says:

      Hallo Nadin,
      du bist sowieso das allerbeste Vorbild – nicht nur bzgl. deiner Ernährung, sondern natürlich auch sportlich! :-)) Bisher haben mich Xylit, Erythritol etc. ehrlich gesagt schon aufgrund ihrer Namen abgeschreckt, befasst habe ich mich damit nie, aber das hört sich schon so künstlich an :-) Ich werde nun aber mal nachschauen, was sich tatsächlich dahinter verbirgt!
      Liebe Grüße!

      Antworten
  4. Hannah
    Hannah says:

    Sehr interessantes Projekt, vor allem wie sich ein verminderter Zuckerkonsum auf das Hautbild auswirkt finde ich sehr spannend. Es gibt ja schon einige Studien darüber, ob Schokolade und Süßigkeiten nun Pickel auslösen oder nicht. Aber so richtig einig sind sich die Wissenschaftler zu diesem Thema noch nicht geworden. Da ist es wohl am Besten, es selber ausprobieren, den schaden kann´s ja nicht!
    Das sich die Geschmacksnerven an ein neues Essverhalten anpassen, ist mir bei mir selber auch aufgefallen. Vor etwa einem Jahr habe ich meine Ernährung völlig umgestellt, und heute habe ich Lust auf ganz andere Lebensmittel als früher. Damals habe ich gern fettiges Fast Food und Süßigkeiten gegessen, heute schmecke ich das triefende Fett richtig raus und meide es auch dementsprechend. Wichtig ist den ersten Schritt zu machen und dran zu bleiben, irgendwann läuft´s dann eh ganz von allein!
    Liebe Grüße, Hannah

    Antworten
    • Hannah
      Hannah says:

      Hallo Hannah,
      ich vermute schon, dass es evidenzbasierte Studien über die Auswirkungen von Zuckerkonsum gibt, die Frage ist ja oftmals, welche Studien veröffentlicht werden, bzw. ob ein Konzern die Veröffentlichung verhindert. Das Thema habe ich auch in diesem Blogpost schon mal angeschnitten. Grundsätzlich denke ich, je weniger Zucker, desto besser für den Körper :-)
      Liebe Grüße!

      Antworten
  5. V
    V says:

    Dieser Beitrag hat mich jetzt gerade wirklich motiviert.
    Gerade das Schlappe kenne ich zu gut und es geht mir so auf die Nerven.

    Momentan ist es bei mir sogar so schlimm, dass ich direkt nach dem Aufstehen quasi erstmal Süßes brauche, damit ich meinen Hintern hochkriege.
    Auch das Schmelzen von den Wohlfühlkilos klingt verführerisch.

    In der Fastenzeit hatte ich das Verzichten auf Zucker eh vor (Teamwork mit einer Freundin ;-) ), aber vielleicht sollte ich jetzt schonmal grob anfangen mit den meisten Sachen wie Schoko, etc.
    und ab da dann nochmal genauer.

    Danke liebe Hannah für die Motivation! (und in dem Fall auch an Katharina!)

    Antworten
    • Hannah Frey
      Hannah Frey says:

      Wenn ich dich motivieren konnte, deinen Zuckerkonsum ein wenig zu reduzieren, freut mich das sehr! :-) Direkt nach dem Aufstehen schon etwas Süßes zu brauchen finde ich ehrlich gesagt schon heftig, das hatte ich noch nie. Ich wünsche dir viel Erfolg! :-)

      Antworten

Dein Kommentar

Want to join the discussion?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Spam Schutz! Bitte löse: *